Der 1. Teil von hoffentlich nicht allzu vielen

Es gibt zwei Seiten in jedem Kopf. Die eine Stimme, die einem immer sagt, was man machen will und was man nicht machen will und die andere, welche einem immer sagt, was man machen sollte und machen muss.
Jetzt ist es so, dass bei jedem Menschen die Seiten unterschiedlich stark sind. Bei dem einem hört der Besitzter der beiden Stimmen im Kopf mehr auf die eine Seite, der andere hört nicht auf diese eine.
Wir müssen den Stimmen wohl Namen geben. So nenne ich die eine Stimme, welche einem sagt, was man tun will und tun möchte die Libido und die andere Stimme das Über- Ich. Nun möchten wir auch noch den Besitzer beider Stimmen, also die Person, welche den Kopf mit sich rumträgt, indem die Stimmen sich befinden, betiteln und nennen diese Person das Ich. Das Ich ist das, wenn man es sich genauer anschauen möchte, Resultat beider Stimmen. Das Ich ist jedoch selbst keine Stimme.
[Skizze fehlt]
Man muss sich das so vorstellen. Die Libido und das Über- Ich sitzten an einem Stammtisch und reden darüber, was der Körper als nächstes machen soll. So könnten sie darüber reden, ob der Körper bereits jetzt damit beginnen soll Essen zu kochen, um in der nächsten halben Stunde Essen zu können. Hier würde die Libido zum Beispiel den Punkt haben, dass der Körper hungrig ist. Die Libido repräsentiert die Bedürfnisse des Körpers und sagt also, dass unbedingt gekocht werden soll. Das Über- Ich könnte nun zustimmen, wenn der Körper hungrig ist, in welchem Falle es eine Einigung gäbe und "Ich" sofort kochen würde, bzw. das Ich sofort kochen würde. Jetzt könnte aber auch interessanterweise das Über- Ich sagen, dass der Hunger noch nicht so starkt ist und dass der Körper erst noch etwas mehr lernen soll, weil es für den Körper notwendig ist zu lernen, um später viel Geld zu verdienen.
Es ist offenkundig, dass in diesem Fall nun eine Art Streit zwischen Über- Ich und Libido entstehen würde. Das Über- Ich vertritt in diesem Fall die Position gegen das Essenmachen, während die Libido den Hunger unbedingt stillen will.
Haben Sie bemerkt, wie man die beiden Stimmen charakterisieren könnte? Man könnte sagen, die Libido will immer sofort die Grundbedürfnisse des Körpers erfüllen. Sie ist ausschließlich darauf fixiert. Das Über- Ich plant hingegen schon etwas mehr und ist in der Lage die Grundbedürfnisse des Körpers nach hinten zu stellen, um höhere oder langfristigere Ziele zu bewältigen.
Ich denke, Ihnen selbst passiert es öfter, dass sie sich darüber Gedanken machen, was sie nun als nächstes tun. Besonders dann, wenn es die Wahl zwischen der einen Sache gibt, die man gerne macht, und der anderen Sache, die man ungerne macht, aber machen muss. Sie könnten ja beispielsweise darüber nachgedacht haben, ob sie nach dem Essen gleich abspülen oder erst etwas fernsehen. Bereits hier hätten sich Libido und Über- Ich bereits auseinandergesetzt.
Woher kommt die Libido, woher das Über- Ich?
Stellen wir uns doch einmal zunächst eine Person vor, welche nur eine der beiden Stimmen im Kopf hat. Fangen wir hiermit mit der Libido an.
Diese Person würde nur das erfüllen, worauf sie Lust hat. Es würde bedeuten, dass diese Person stets Grundbedürfnisse ihres Körpers erfüllen würde. Es würde natürlich auch Grundbedürfnisse des Geistes erfüllen. Die Libido erfüllt nämlich immer Grundbedürfnisse. Das war ja die These: Die Libido erfüllt immer Grundbedürfnisse.
Ich denke es ist noch nicht ganz klar, was Grundbedürfnisse hier genau sein soll. Neben den ganz leicht erklärbaren körperlichen Grundbedürfnissen, wie Nahrung und Wasser gibt es auch noch die geistigen Grundbedürfnisse. Diese müssen hier etwas genauer inspiziert werden.
Zunächst einmal ist vielleicht die Frage offen, ob man überhaupt geistige Grundbedürfnisse hat, beziehungsweise, was genau geistige Grundbedürfnisse sind.
Was also sind geistige Grundbedürfnisse?
Aufgelistest betrachtet könnte man sagen, geistige Grundbedürfnisse sind z.B. das Bedürfniss nach Information oder nach Wissen. Ich rede hier nicht von akademischem, schwer auswendig zu lernendem Wissen, sondern von dem Wissen, wie es weitergeht, was gerade passiert. Die Sinne, die man hat, möchte man auch gebrauchen, so kommt es einem vor. Man möchte sehen und hören, schmecken und tasten. Es ist ein Trieb, der in uns tief verankert zu sein scheint.
Doch geistige Grundbedürfnisse umfassen etwas mehr, als nur diese.
Der Mensch ist doch auf diesem Planeten als Lebewesen entstanden, welches durch Reproduktion seine Art am Leben erhält. So würde zum Beispiel keiner von uns dies hier lesen können, oder schreiben können, wenn unsere Eltern und deren Eltern nicht aus irgendeinem Grund Nachkommen, also uns, gezeugt hätten. Wir existieren also nur, weil wir eben gezeugt wurden. Dies ist "unser Grund". (Ich möchte hier als Randnotiz kurz beiseite erwähnen, dass viele Menschen der Ansicht sind Gott wäre unser Grund, sogar ich selbst davon ausgehe, das dem so ist. Doch man könnte ja auch behaupten Gott hätte den Urknall erzeugt und beobachtet uns seit dem nur noch. Weitergehend könnte man sagen das wir Menschen uns also selbst innerhalb von 100 Jahren auslöschen könnten, würden wir nun aufhören uns fortzupflanzen. Wir sind also innerhalb von 100 Jahren nicht wegen Gott hier, sondern wegen der Fortplanzung unserer Eltern. Weswegen diese also "unser Grund" für usnere Existens sind.)
Ein weiteres geistiges Grundbedürfnis soll hier also der Fortplanzungstrieb sein.
Klar ist der Fortpflanzungstrieb durch Hormone gesteuert. Wir bekommen ein vom Körper sich ungeheuer gut anfühlendes Glückshormon ausgestrahlt, wenn wir uns fortpflanzen. Natürlich bekommen wir dies auch, wenn wir masturbieren, jedoch ist (und ich mache es kurz) der Geschlechtsverkehr unter Geliebten viel ergibiger, was das Glücksgefühl angeht.
So könnte man also auch behaupten, dass dieses Glückshormon körperlicher Natur ist und dadurch unter die Rubrick der Libido als Stimme der Grundbedürfnisse der Körpers fällt.
Wir haben also gezeigt, dass die Libido stets versucht dem Körper Geschlechtsverkehr zu besorgen.
Und hier entsteht genau ein sehr viel größeres und schwerer zu erfüllendes Bedürfnis für die Libido. Denn nun muss sie nicht mehr nur das Über- Ich überzeugen dem Geschlechtsverkehr einzuwilligen. Sie muss es schaffen einen anderen Menschen für sich zu gewinnen, sodass dieser mit dem Körper, dem "Ich", Geschlechtsverkehr hat.
Und auch hier entsteht bereits ein weiteres Problem. Der Körper des anderen Menschen, das "Ich", des anderen Menschen setzt sich nun natürlich auch aus einer Libido und einem Über- Ich zusammen. Dieses Problem nun ist deutlich schwerer zu beobachten und zu analysieren, als man es sich vorstellen mag.
Man könnte nun eine Antithese hierzu entwickeln uns schlicht sagen, dass der Körper des anderen Menschen im Falle einer Begegnung zweier Menschen doch auch das Problem wie meine Libido hat. Auch seine Libido will doch nur Geschlechtsverkehr haben. Wieso also sollten sich im Falle einer Begegnung zweier Menschen nicht einfach meine Libido kurz durchsetzen und gleichzeitig die Libido des anderen Menschen einfach durchsetzen, sodass beide Menschen sich für den Geschlechtsverkehr entscheiden und dann einer der beiden nur noch den allerersten kleinen Schritt machen muss. Es würde fast bei jeder Begegnung zum Geschlechtsverkehr kommen können zwischen meinem Körper und einem anderen Körper und damit wäre es sehr einfach dieses Grundbedürfnis zu befriedigen.
Die Antithese also kurz. Wenn jeder doch Sex will, warum sollte es so schwer sein einen anderen zum Sex zu überzeugen?
Ich könnte Sie nun scherzhafterweise fragen, wie viel Sex Sie denn haben im Verhältnis zu wie oft sie Sex wollen?
Ich werde jedoch versuchen Ihnen auf dem komplizierten, richtigen Weg zu erklären, warum es schwer ist das andere "Ich", also das Gespräch im Kopf meines vermeintlichen Sexualpartners von "Sich", als deim eigenen "Ich" zu überzeugen.
Zunächst einmal stellen wir uns die Debatte mit meinen Begriffen vor. Wie schaut es denn aus, wenn ein Mann mit einer Frau spricht und sie versucht von sich zu überzeugen? Natürlich ebenso umgekehrt und zwischengeschlechtlich, also bei Homosexuellen. Ich möchte, dass sie das ganz neutrale Bild sich vorstellen, welches ich Ihnen durch meine Begriffe und Sinnbilder bisher ermöglichen kann.
In meinem Kopf soll ja ein eigenes Gespräch stattfinden, klarerweise zwischen Libido und Über- Ich. Und im Kopf meines vermeintlichen Sexualpartners ebenso.
Also treffen zwei Gespräche aufeinander, wie zwei Wellenfronten.
Jetzt hat mein Körper jedoch ein Problem. Mein Körper kann nicht erkennen, was die Libido und das Über- Ich im Kopf des anderen sagen. Mein Körper bekommt nur das "Ich" mit, also das Resultat des im Kopf des anderen sich statt findenden Gesprächs. Mein Körper hat auf das Gespräch des anderen eine eingeschränkte Sichtweise.
Wie viele Reaktionen kann ich denn auf die Anfrage auf Sex vom anderen rechnerisch bekommen?
2x2=4. Im Kopf des anderen passiert genau eine von folgenden vier Varianten.
Man muss sich das so vorstellen. Im Kopf des anderen, also am Stammtisch, an dem das Gespräch zwischen Libido und Über- Ich stattfindet wird nun folgendes festgestellt: Wir können jetzt mit dem anderen Menschen Sex haben, er hat es uns angeboten unser körperliches Bedürfnis nach Sex zu stillen, wenn wir nur einwilligen. Jetzt könnten Libido und Über- Ich beide gleichzeitig dafür oder gleichzeitig dagegen sein. Wir haben also bereits zwei Möglichkeiten, von denen eine wahrscheinlich zum Sex führt, eine höchst wahrscheinlich nicht. Es gibt aber auch noch die anderen beiden Möglichkeiten, dass erstens das Über- Ich für den Sex ist, die Libido nicht, oder zweitens die Libido für den Sex ist, das Über- Ich aber nicht. Also haben wir rein theoretisch genau vier Gesprächsmöglichkeiten, die im Kopf des anderen stattfinden könnten, sollte er von mir die Anfrage auf Sex, oder das Angebot besser gesagt, im Kopf diskutieren.
Nun könnte man sagen, die Libido wird wohl immer für den Sex sein, da es sich hierbei erfahrungsgemäß um ein seltenes Gut handelt und selbst die Libido den Hunger wohl etwas aufschieben wird, um die Glücksgefühle zu bekommen.
Doch das ist falsch. Sollte die Libido nämlich bereits von irgendwoher eine gewissen Portion an Glücksgefühlen, selbst wenn es keine von Sexualhormonen ausgelösten Glücksgefühle sind haben, so sieht die Libido nämlich das Bedürfnis nach Sex gleich dem Bedürfnis nach Glückshormonen an und damit so, als wäre es zur Zeit ganz gut befriedigt und der kleine Hunger geht nun doch vor.
Es gibt nämlich viele Möglichkeiten andere Glückshormone vom Körper ausschütten zu lassen. Sportliche Anstrengung schickt viele Glückshormone in die Blutbahnen, die Freude über eine gute Note in einer wichtigen Klausur belohnt der Körper mit Hormonen. Ich möchte hier nun nicht eine Auswahl an Möglichkeiten auflisten, wann man vom Körper mit Glückshormonen belohnt wird, jedoch möchte ich eben anmerken, dass Sexualität von der Libido nicht als etwas Besonderes erachtet wird.
Das Gespräch an unserem "Stammtisch" ist nun also doch anders, als wir es uns vielleicht typischerweise vorgestellt hatten. Die Libido wird oft mit der Lust zum Sex verwechselt, ist jedoch mehr oder weniger nur ein Vertreter unseres körperlichen Glückes.
Nun möchte ich Ihnen jedoch etwas Interessantes mitteilen. Wenn die Libido nun nicht so oft für Sex ist, wie wir uns das vorgestellt haben, so muss das Über- Ich ja nun diesen Verlust an Gedanken, welche uns zum Sex ermutigen ausgleichen.
Zunächst einmal ist es klar, dass wir eigentlich oft Sex haben möchten, weil Sex etwas schönes ist. Nun ist die Libido, wie bereits gesagt, öfters gegen Sex, als wir uns das vorgestellt hatten. Nun ist an unserem Stammtisch die Partei, von der wir ausgegangen sind, dass sie immer für Sex stimmen würde fast wie ein Verräter für uns, weil sie nun doch nicht blind für Sex ist, sondern nur für den Körper arbeitet.
Staunen Sie, wenn ich Ihnen verrate, dass das Über- Ich nun öfters für Sex ist, als manche von uns sich das anfangs vorgestellt hatten?
Das Über- Ich war ja vorher noch die Partei, welche langfristige Pläne für uns schmiedet. So hatte es in unserem Beispiel zur "Definition von vorhin" gesagt, dass wir etwas für die Uni machen müssen statt sofort zu essen, um später mehr Geld verdienen zu können. Klarerweise war der Plan des Über- Ichs, dass durch das viele Geld später ein entspannteres, stressfreieres Leben stattfinden könne. Das Über- Ich hat als investiert, sozusagen.
Es ist genau hier, dass ich sage, dass das Über- Ich derjenige im Gespräch ist, der investiert um später ein gutes Leben zu haben, während die Libido nur an jetzt denkt und sofortige Verlangen um jeden Preis befriedigen möchte, auch wenn ein langfristiger Plan dadurch geschädigt würde.

Nun sind wir ja einige Schritte davon abgekommen, wieso es so "selten" zum Sex kommt. Zum einen gehen wir davon aus, dass einer der beiden Sexualpartner bereits ein offenes Angebot dem anderen gemacht hat und beobachten zunächst die Reaktionsmöglichkeiten etwas genauer.
Lassen wir zu Beginn auch die klaren Möglichkeiten weg, bei denen das "Ich", also das Gesprächsergebnis der beiden Parteien, im Kopf des anderen gleichzeitig für oder gegen Sex ist. Es kann davon ausgegangen werden, dass in diesem Fall ein eindeutiges Ergebniss erzielt wird.
Beobachten wir stattdessen die Fälle, bei denen im Kopf des anderen Uneinigkeit herrscht. In einem Fall ist die Libido für den Sex, im anderen das Über- Ich.
In dem Fall in dem die Libido für den Sex ist, ist der Mensch wohl oder übel durch alle anderen Bedürfnisse gut befriedigt, sodass die Möglichkeit nach Glückshormonen durch Sex gerne wahrgenommen wird. Es kann aber auch sein, dass die Libido so sehr an Glückshormonen Mangelerscheinungen hat, dass sie sich sehr für den Sex aussprechen wird auf dem Stammtisch und um jeden Preis dieses Bedürfniss befriedigen will. Insgesamt also kann man sagen, dass selbst wenn die Libido für Sex stimmt, es immer noch Unterschiede in der Stärke des Verlangens nach Sex für die Libido gibt.
[Skizze fehlt]
Wann also wird die Libido sich stark für Sex aussprechen, wann weniger stark?
Nun hier muss ich sagen, dass ist etwas, was mit Alter, Reife, Erfahrung im Sex haben, und mit der Person, welche da einen fragt zusammenhängt. Für die Stärke, nach welcher sich die Libido der antwortenden Person für den Sex ausspricht muss man tatsächlich mit einbeziehen, wer fragt.
Auf dem Stammtisch des offen nach Sex gefragten Sexualpartners stand sozusagen nicht nur die Frage, ob jetzt Sex stattfinden soll oder nicht, sondern es wird natürlich auch noch miteinbezogen, wer da gefragt hat, und wie er gefragt hat.
Die Art und Weise, wie gefragt wird kann man selbst als Fragender mehr oder weniger beeinflussen, jedoch nicht die Art und Weise, wer fragt.
Ich möchte erst noch einmal einen kleinen Schritt zurück machen, bevor wir genauer über die Gesamtschau machen werden von Stammtisch 1 und Stammtisch 2 und deren Wechselwirkungen bei Anfragen zum Sex.
Und zwar möchte ich genauer über Glückshormone und den Zusammenhang Libido und Wunsch nach Glückshormonen klarstellen.
In der obigen Zeichnung habe ich die Libido etwas genauer aufgezeichnet. Die Libido hat ein Repertuar an Grundbedürfnissen, nach denen sie sich sehnt, diese stets so gut wie möglich erfüllt zu haben. In der Regel ist es so, dass die Grundbedürfnisse sich mit der Zeit entladen. So will ich sagen, dass nach einer Mahlzeit der Hunger zu 100% gestillt ist, jedoch nach ein paar Stunden der Hunger nur noch zu 50% gestillt ist. Die einzelnen Balken in der Skizze sollen also jeweils ein Grundbedürfnis darstellen. Die Zahlen sollen mögliche zeitliche Prozentsätze der Erfüllung darstellen.
[Skizze fehlt]

Ich habe hier anhand eines Graphen das Grundbedürfnis Hunger eingezeichnet. Zunächst in 1 ist der Körper immer hungriger werdend, bis er zuletzt hier bei etwa 80% anfängt zu essen. Während des Essens sinkt der Hungergrad für etwa 20 mins nicht, danach jedoch schnell, wie in 3 zu sehen ist. Bereits kurze Zeit nach dem Essen beginnt das Hungergefühl wieder anzuwachsen, nun über mehrere Stunden hinweg, bis schließlich ein großes Hungergefühl zu essen auffordert.
Ich denke dies Tabelle ist von jedem lesbar und verständlich.
Ebenso, wie dieser Graph läuft es bei fast allen Grundbedürfnissen ab. Unser Körper erfährt ein Grundbedürfnis, in dieser Zeit ist es auf einem Plateu, welches von zeitlich kurzer Dauer ist. Nach diesem Plateu folgt ein rascher Abfall auf nahezu Null, welcher sich nun langsam wieder aufbaut bis schließlich das Grundbedürfnis erfüllt wird. Ich lasse an dieser Stelle übrigens weg, wie es sich mit den 100% und 0% Gefühlen verhält. So könnten Sie fragen, wie ich mich mit 100% Hunger fühle. Diese Skizze soll nur eine Veranschauung des Befriedigungsgrades sein und stellt keine exakte Lösung des Problemes dar, jedoch genug, um es hier anzubringen.
Nun sind Ihnen der Hunger, das Bedürfnis auf die Toilette zu gehen, zu trinken, der Verzehr von Genussmitteln anhand dieser Skizze wohl verdeutlicht. Sie alle haben ähnlichen Verlauf.
Soziale Grundbedürfnisse, so war ja vorhin die Behauptung, sollen ebenfalls von der Libido, der "Körperstimme" vertreten werden. Jedoch sind in der Überlegung soziale Bedürfnisse gar nicht körperlich, da sie nicht dem Überleben dienen. An dieser Stelle möchte ich Sie darauf hinweisen, dass wir bereits verstanden haben, dass soziale Bedürfnisse aufgrund von Glückshormonen, welche wir als Genussmittel betrachten dürfen, ebenfalls körperlich belohnt werden und somit von der Libido erfasst werden.

An dieser Stelle muss ich Ihnen jedoch klar machen, was es bedeutet erwachsen zu werden. Natürlich fällt darunter geschlechtsreif zu werden und ich denke ein 18 jähriger junger Mann würde sich von mir beleidigt fühlen, würde ich ihn als Kind bezeichnen.
Jedoch muss ich andererseits sagen, dass ich bei dem ein oder anderen trotz körperlicher Reife vorwerfen könnte, dass er eben noch nicht erwachsen ist.
Was also gehört dazu, erwachsen zu werden, er wachsen zu sein?
Zum Erwachsensein gehört natürlich in allererster Linie beziehungsfähig zu sein. Das bedeutet, dass man in der Lage ist, mit anderen Menschen umzugehen. Dies wiederum bedeutet, dass man in der Lage sein muss mit diesen zu reden uns sich auszutauschen. Dies wiederum bedeutet, dass ein erwachsener Mensch sich wohl oft austauschen muss.
Glauben Sie mir, wenn ich sage, ein erwachsener Mensch muss viele Gespräche in seinem Alltag "überleben". So kann es sein, dass ein Verkäufer dutzende Gespräche mit Fremden führen muss, ihnen erklären muss, was das Produkt kann und warum sie es kaufen sollten. Abends muss er sich eventuell mit seinen Kinder und seiner Frau über deren Leben und Alltag austauschen.
Es mag ja sein, dass sich der Verkäufer zu Hause vielleicht sicherer fühlen mag und sich deshalb dort lieber aufhält, alleine weil dort die Menschen sind, die er liebt, für die er sich entschieden hat. Jedoch muss er auch dort gewisse soziale Regeln einhalten und den anderen ihren Raum lassen. Er kann sich selbst zu Hause nicht aufführen, wie er es will.
Merken Sie, wie ich versuche Ihnen näher zu bringen, dass jeder Mensch, den Sie kennen, Familie oder Fremde, auch für Sie etwas mit sich bringt? Nur dieses Mitbringen von Etwas, dies unbeschriebene Mitbringen von Etwas ist es, was für die Libido wie Essen ist. Die Libido versucht stets andere Menschen dazu auszunutzen, Glücksgefühle vom eigenen Körper ausgesandt zu bekommen.
Ein erwachsener Mensch ist ein Mensch, der in der Lage ist seine Libido befriedigt zu halten. Dies ist die These, die ich Ihnen im Folgenden erklären werde.
Ausgehen werde ich wieder von den Grundbedürfnissen, wie ich sie in der Skizze zur Zusammensetzung der Libido dargestellt habe.
Nun kann die Libido der Einfachheit halber immer nur ein Bedürfniss nacheinander befriedigen. So kann man der Einfachheit haltber nicht Essen und gleichzeitig auf die Toilette gehen. D.h. die Libido muss zu jedem Zeitpunkt schauen, welches Bedürfnis gerade am meisten Mangel hat. Dasjenige, welches am meisten Mangel hat, wird von der Libido zuerst befriedigt. So ist es so, dass ein halb-hungriger, aber sehr einsamer Mensch erst mal versucht irgenwoher Aufmerksamkeit und damit Kontakt und Beachtung von anderen Menschen (also wiederum soziale Befriedigung) zu bekommen, bis er sich dazu entschließt sich um das Essen zu kümmern. Ebenso könnte aber auch ein sehr geliebter und beachteter Mensch aus dem Luxus heraus zuerst seinen Hunger befriedigen, bis er sich dazu entschließt sozial weiter nach Aufmerksamkeit zu suchen.
Haben Sie meine These gerade herausgehört, welche es mir ermöglicht vom Körpergewicht eines Menschen heraus Aussagen über die soziale Umwelt dessen zu sagen? Fragen Sie sich hierzu einfach, warum verheiratete Männer und Frauen oft etwas zunehmen. Die Antithese, dass manche dicken Computersüchtigen und damit vermeintlich ungeliebten Kinder, z.B. aus Ihrer Klasse, ungeliebt sein müssen, weil keiner ihrer Klassenkameraden mit ihnen spielt ist daher falsch, als dass das heimische Umfeld ebenjener beleibten Kinder eine sehr große Aufmerksamkeitsbefriedigung hat. Diese Kinder, so kann man sagen, werden teilweise zu sehr verwöhnt.
Ich möchte mich hier natürlich von generaliesierdenden Aussagen über dicke Meschen entfernen. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass oft deren Libido wie oben bereits geschrieben, sozial sehr befriedigt ist.
Ich hoffe, Sie bemerken den Unterschied zwischen sozialer Befriedigung, wie die Libido sie sucht, und Anerkennung und Respekt, wie das Über- Ich es sucht.
Das Beispiel mit den Beleibten Kindern und deren Libido lässt sich natürlich auch umkehren. So war ich stets ein dünnes Kind und bin es auch entsprechend heute noch. Mein Essverhalten ist sehr mager, so komme ich über lange Zeiten ohne Nahrung aus. Ich werde nun zwar nicht in meine eigene Vergangenheit Sie hineinblicken lassen, alleine aus dem Grund, dass ich eine verhältnissmäßig glückliche Kindheit genoß, jedoch habe ich tatsächlich stets den Drang Aufmerksamkeit von anderen Menschen suchen zu wollen. Ich beobachte, dass ich oft über größeren Hunger hinaus meine Freunde nicht verlasse um Essen zu holen, sondern lieber noch etwas länger bleibe. So bin auch ich und meine Libido ganz klar zu beschreiben, als jemand, dessen Libido Soziales eher suchen muss als Essen.

Nun ist es ja so, dass die Libido ebenso mit dem Charakter des Trägers der Libido wächst. Sie lebt seit dem ersten Tag der Geburt bis zum letzten. So kann es sein, dass die Libido über Jahre hinweg an einem Grundbedürfniss mangelt. So kann es sein, dass ein Insasse im Gefängnis täglich um sein Essen kämpfen muss. Dies soll aber nur als Beispiel fungieren.
Wenn jetzt die Libido über längere Zeit auf dieses eine Grundbedürfnis "gepolt" wurde, so lässt sich beobachten, dass die Polung auch dann noch längere Zeit anhält, wenn der Mangel an dem Grundbedürfnis nun nicht mehr besteht. Unser Insasse würde nun seit einiger Zeit frei sein und es würde sich feststellen lassen, dass er sehr auf das Essen fixiert ist und eben viel isst.
Diese Fixierung oder Polung geschieht uns allen zu jeder Zeit. So könnte man zum Beispiel Lebensabschnitte formulieren anhand unserer Libido: In den letzten paar Jahren habe ich als heranwachsender ein sehr großes Bedürfnis an Aufmerksamkeit gebraucht. Ich war dadurch sehr auf Soziale Bedürfnisse gepolt. Später jedoch, als ich in die Universität kam und dieses Mangelgefühl über mehrere Monate hinweg stets befriedigt war, stellte ich fest, dass ich nun, da ich mich selbst bekoche, den Hunger als stetes Mangelbedürfnis habe. Später werde ich vielleicht ein anderes Bedürfnis missen und dann ebenjene Polung haben.
Das Leben über diese Abschnitte zu definieren ist jedoch untauglich. Grund hierfür ist, dass es durchaus möglich ist, als Mensch keines seiner Grundbedürfnisse über längere Zeit im absoluten Mangelzustand zu lassen.
Hier lege ich meine Definition eines erwachsenen Menschen neu. Ein erwachsener Mensch ist in der Lage sich seine Grundbedürfnisse selbst, also ohne Einfluss der Eltern, zu erfüllen und zwar in einer Art und Weise, als dass keines über längere Zeit unbefriedigt bleibt. Selbstverständlich benötigt er für die Erfüllung sozialer Bedürfnisse Menschen und Beziehungen zu Menschen. Dementsprechend ist es für einen erwachsenen Menschen zwingend erforderlich Beziehungen pflegen zu können.

Nun sind wir aber noch gar nicht darauf eingegangen, wie genau eine Beziehung im Detail genau aussieht.
Lassen Sie mich hierzu ein kleines Bild skizzieren.
[Skizze fehlt]
In dieser Skizze sind zwei Personen eingezeichnet. Beide haben dieselbe Zusammensetzung aus Libido und Über- Ich und dem Ergebnis der Verhandlung ebenjener, dem Ich.
Nun müssen Sie sich ein Gespräch zwischen diesen beiden Personen nicht als Gespräch von 2 Menschen vorstellen, wie es ihr gesunder Menschenverstand Ihnen rät, sondern als Gespräch von zwei Ichs. Jedes Gespräch das Sie mit jemand anderem führen, führen im Prinzip 4 Parteien. 2 Parteien von Ihnen und 2 von der anderen Seite.

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